Es ist Dienstagvormittag, kurz nach zehn. Die erste große Runde ist durch, die Pflegewagen sind aufgefüllt, und eigentlich könnten Sie jetzt kurz durchatmen. Aber stattdessen stehen Sie im Stationszimmer und starren auf den Dienstplan für den nächsten Monat. Wieder das gleiche Muster. Wieder die gleichen drei Kollegen in der Spätschicht. Wieder die Diskussion, wer das Einspringen am Wochenende übernimmt.
Kennen Sie dieses schleichende Gefühl, dass Sie beruflich „feststecken“?
Sie beherrschen Ihren Bereich im Schlaf. Sie wissen genau, wie Oberarzt Müller seinen Kaffee trinkt und welcher Patient in Zimmer 5 seine Tabletten wieder im Blumenkasten versteckt hat. Das gibt Sicherheit. Aber manchmal fragen Sie sich vielleicht: „War es das jetzt? Werde ich die nächsten zwanzig Jahre genau diesen Ablauf wiederholen?“
Vielleicht haben Sie schon einmal mit dem Gedanken gespielt, etwas Neues zu sehen. Doch dann kommen die Zweifel. „Was, wenn es woanders schlimmer ist?“ oder „Sieht das im Lebenslauf nicht sprunghaft aus?“
Lassen Sie uns diese Gedanken einmal sortieren. Denn Zeitarbeit in der Pflege ist oft weit mehr als nur ein Lückenfüller oder eine Notlösung für Gehaltsoptimierer. Richtig genutzt, wirkt sie wie ein Turbo für Ihre Fachlichkeit. Aber – und das gehört zur Wahrheit dazu – sie ist nicht für jeden Persönlichkeitstyp geeignet. Schauen wir uns an, was dieser Weg wirklich für Ihre Karriere bedeuten kann.
Was Einsätze in unterschiedlichen Häusern mit Ihrer Fachlichkeit machen
Erinnern Sie sich an Ihre Ausbildung? Wir haben alle gelernt, dass es „den einen“ richtigen Weg gibt, eine Wunde zu versorgen oder eine Übergabe zu machen. Die Realität in den Kliniken und Heimen sieht anders aus. Und genau hier liegt Ihr größter Vorteil als externe Kraft.
Wenn Sie als festangestellte Kraft fünf Jahre auf derselben inneren Station arbeiten, werden Sie zur Expertin für genau diese Abläufe. Das ist wertvoll. Aber wenn Sie als Zeitarbeitskraft in zwei Jahren fünf verschiedene Häuser sehen, entwickeln Sie eine ganz andere Art von Kompetenz: Adaptivität.
Der Kampf mit der Dokumentation (und wie Sie ihn gewinnen)
Nehmen wir das leidige Thema Dokumentation. Im ersten Haus arbeiten Sie noch komplett mit Papierkurven – „Zettelwirtschaft“ vom Feinsten, wo man die Handschrift des Nachtdienstes entziffern muss wie Hieroglyphen. Im nächsten Einsatz, vielleicht in einem modernen Klinikum der Maximalversorgung, stehen Sie vor einem volldigitalisierten System, bei dem jeder Handgriff am Tablet abgehakt wird.
Am Anfang fluchen Sie vielleicht. Das ist normal. „Warum ist der Reiter für die Vitalwerte hier so versteckt?“ Aber nach dem dritten Systemwechsel passiert etwas Spannendes: Sie hören auf, die Software auswendig zu lernen, und fangen an, die Logik dahinter zu verstehen. Sie erfassen schneller, worauf es ankommt. Sie werden zu jemandem, der sich in 20 Minuten in ein neues Programm eindenken kann, wofür andere Tage brauchen. Das ist eine Fähigkeit, die Ihnen niemand mehr nimmt – und die in einer digitalisierten Zukunft Gold wert ist.
Pflegekonzepte live erleben statt nur im Lehrbuch
Theorie ist geduldig. In der Schule haben wir alle von Kinästhetik oder dem Bobath-Konzept gehört. Aber wie oft wird es im stressigen Alltag wirklich konsequent angewendet?
Als externe Kraft haben Sie die Chance, „Best Practices“ zu sammeln. Vielleicht kommen Sie in ein Haus, das sich auf Schlaganfall-Rehabilitation spezialisiert hat. Dort schauen Sie einer erfahrenen Physiotherapeutin über die Schulter und sehen einen Handgriff beim Lagern, den Sie so noch nie gesehen haben. „Ach, so geht das viel leichter für den Rücken!“
Diesen Handgriff nehmen Sie mit. Zum nächsten Patienten, zum nächsten Einsatz, vielleicht sogar in Ihr Privatleben, wenn Sie Angehörige pflegen. Sie bauen sich ihren eigenen „Werkzeugkoffer“ aus den besten Techniken verschiedener Häuser zusammen. Sie sehen, wie unterschiedlich Palliative Care gelebt werden kann – mal strikt medizinisch, mal unglaublich menschlich und warmherzig. Dieser Weitblick macht Sie fachlich extrem versiert. Sie werden zu der Kollegin, die sagt: „Ich habe in Klinik X mal gesehen, dass die das so gelöst haben – wollen wir das probieren?“
Lebenslauf-Vorteil statt „Jobhopping“-Stempel
Kommen wir zu dem Elefanten im Raum. Viele Pflegekräfte haben Angst, dass viele Wechsel im Lebenslauf aussehen, als könnten sie sich nicht binden. „Jobhopper“ ist so ein Wort, das Personalern Angst macht.
Aber es kommt darauf an, wer Ihre Geschichte erzählt.
Wenn Sie alle sechs Monate kündigen, weil Sie Streit im Team hatten, ist das ein rotes Tuch. Wenn Sie aber bei einem Arbeitgeber (dem Personaldienstleister) angestellt sind und über diesen verschiedene Projekte meistern, erzählt das eine ganz andere Geschichte.
Wie Sie Ihre Einsätze positiv darstellen
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Vorstellungsgespräch für eine leitende Position – vielleicht in fünf Jahren. Ihr Gegenüber fragt nach Ihrer Zeit in der Zeitarbeit.
Sie antworten nicht: „Ich wollte mal schauen, was es so gibt.“
Sie antworten: „Ich habe gezielt zwei Jahre genutzt, um verschiedene Fachbereiche und Organisationsstrukturen kennenzulernen. Ich habe mich in kürzester Zeit in fünf verschiedene Teams integriert, habe mit drei unterschiedlichen Dokumentationssystemen gearbeitet und gelernt, auch unter schwierigen Bedingungen sofort handlungsfähig zu sein.“
Merken Sie den Unterschied?
Das ist kein unbeständiges Hüpfen. Das ist eine Bildungsreise. Arbeitgeber suchen heute händeringend nach Mitarbeitenden, die flexibel sind. Die nicht bei der ersten Änderung des Dienstplans in Panik verfallen. Wer Zeitarbeit gemeistert hat, hat bewiesen: Ich komme klar. Egal, wo man mich hinstellt. Ich funktioniere nicht nur in meiner Komfortzone, sondern auch im kalten Wasser.
Das signalisiert Resilienz. Und Resilienz ist in unserem Beruf mittlerweile eine der wichtigsten Währungen.
Weiterbildungen, die wirklich zu Ihnen passen
Ein oft unterschätzter Punkt ist die Zeit. In der Festanstellung im Schichtdienst, mit dem ständigen „Kannst du heute Nachmittag doch kommen?“, bleibt der Wunsch nach Weiterbildung oft auf der Strecke. Oder man macht halt die Fortbildung, die der Arbeitgeber gerade bezahlt und die für die Station nützlich ist – ob sie Sie persönlich interessiert, ist zweitrangig.
In der Zeitarbeit haben Sie oft mehr Kontrolle über Ihren Dienstplan. Wenn Sie sagen: „Jeden zweiten Donnerstag habe ich Kurs“, dann ist das in der Regel gesetzt. Das ist Ihr „Frei“.
Spielraum für echte Qualifizierung
Nutzen Sie diese Phase, um herauszufinden, was Ihnen wirklich liegt. Durch die Einblicke in verschiedene Fachbereiche merken Sie vielleicht erst: „Die Intensivpflege, vor der ich immer Respekt hatte, liegt mir eigentlich total, weil ich dieses technische, genaue Arbeiten mag.“ Oder andersherum: „Die Hektik in der Notaufnahme ist nichts für mich, aber die Beziehungsarbeit in der Gerontopsychiatrie erfüllt mich.“
Wenn Sie das wissen, können Sie gezielt Weiterbildungen anstreben. Viele Personaldienstleister unterstützen das finanziell, weil sie ja auch ein Interesse daran haben, höher qualifizierte Mitarbeiter zu vermitteln. Eine Fachweiterbildung für Anästhesie und Intensivpflege ist eine riesige Investition – aber wenn Sie sicher wissen, dass das Ihr Weg ist, weil Sie es in der Praxis getestet haben, lohnt sie sich.
Betrachten Sie die Zeitarbeit als eine Art „Berufsfindungsphase mit vollem Gehalt“. Sie müssen sich nicht verpflichten, bevor Sie nicht sicher sind.
Für wen dieses Modell passt – und für wen nicht
Wir haben uns vorgenommen, ehrlich zu sein. Deshalb lassen Sie uns auch darüber sprechen, wann dieser Weg nicht der richtige für Sie ist. Es bringt nichts, Ihnen das Blaue vom Himmel zu versprechen, wenn Sie nach drei Wochen unglücklich sind.
Der Typ „Sicherheitsbedürfnis“
Brauchen Sie lange, um mit neuen Menschen warmzuwerden? Ist es für Sie der Horror, morgens einen Raum zu betreten, in dem Sie niemanden kennen, und nicht zu wissen, wo der Verbandswagen steht?
Zeitarbeit bedeutet: Immer wieder „der/die Neue“ sein. Sie müssen sich immer wieder beweisen. Sie kommen auf eine Station und spüren die skeptischen Blicke: „Na, mal sehen, was die Externe draufhat. Bestimmt verdient die das Doppelte und macht die Hälfte.“
Dagegen müssen Sie anarbeiten – mit Leistung, mit Freundlichkeit, mit einem dicken Fell. Wenn Sie ein harmoniebedürftiger Mensch sind, der tiefe, langjährige Bindungen zu einem festen Team braucht, um sich wohlzufühlen, dann wird Sie die Zeitarbeit emotional stressen. Ein festes Team ist wie eine Familie – man kennt die Macken der anderen, man fängt sich gegenseitig auf. Als Springer sind Sie oft eher der Gast. Ein willkommener Gast, ja, aber eben nicht Familie.
Der Typ „Abenteurer“
Wenn Sie aber jemand sind, der schnell gelangweilt ist von Routine. Wenn Sie neugierig sind. Wenn Sie stolz darauf sind, Probleme selbstständig zu lösen. Dann blühen Sie hier auf.
Es gibt Kollegen, die ziehen Energie daraus, immer wieder neu anzufangen. Die sagen: „Ich halte mich aus dem Stations-Tratsch raus, ich mache meinen Job, ich lerne was Neues, und nach drei Monaten ziehe ich weiter.“ Für diesen Typus ist das Modell perfekt. Sie entgehen den eingefahrenen Konflikten („Schwester Renate macht das aber schon seit 20 Jahren so!“), weil Sie gar nicht lange genug da sind, um Teil des Konflikts zu werden.
Fragen Sie sich ehrlich:
- Wie reagiere ich, wenn ich etwas nicht finde? Werde ich nervös oder frage ich einfach?
- Kann ich mich fachlich abgrenzen, wenn in einem Haus schlechter gearbeitet wird, als ich es gelernt habe?
- Bin ich bereit, meine Komfortzone nicht nur zu verlassen, sondern sie regelmäßig einzureißen?
Fazit: Ein Werkzeug für Ihre Karriere
Zeitarbeit ist kein Allheilmittel für die Probleme im Pflegebereich. Aber sie ist ein mächtiges Werkzeug für Ihre persönliche Karriereplanung. Sie erlaubt Ihnen, den „Tunnelblick“ abzulegen, den man nach vielen Jahren im gleichen Haus oft bekommt. Sie zwingt Sie, fachlich und menschlich flexibel zu bleiben.
Vielleicht machen Sie das für ein Jahr. Vielleicht für fünf. Vielleicht finden Sie über einen Einsatz genau das Haus, in dem Sie sesshaft werden wollen, weil dort das Team und die Führung stimmen. Auch das passiert oft: Man geht als Zeitarbeitnehmer und bleibt als festes Teammitglied, weil es einfach „gepasst“ hat. Aber dann treffen Sie diese Entscheidung nicht aus der Not heraus, sondern weil Sie wissen, was Sie wollen – und was nicht.
Lassen Sie uns herausfinden, wo Sie gerade stehen.
Sind Sie der Abenteurer, der bereit ist für neue Eindrücke? Oder suchen Sie eigentlich Sicherheit, aber in einem besseren Umfeld als jetzt? Wir schauen uns Ihren Lebenslauf gemeinsam an und überlegen, welche Stationen Sie wirklich weiterbringen würden.
Lassen Sie uns einfach mal unverbindlich sprechen – von Fachkraft zu Fachberater.